Command, Control and Information – Impulse für die Panzergrenadiertruppe von morgen
Munster: Am 02. und 03. März 2026 führte der Freundeskreis der Panzergrenadiertruppe e.V. erneut sein Wehrtechnisches Symposium an der Panzertruppenschule in Munster durch. Die etablierte Veranstaltung brachte erneut Führungs- und Ausbildungspersonal der Bundeswehr sowie Vertreterinnen und Vertreter namhafter Unternehmen der Verteidigungsindustrie zusammen. Ziel war es, sich im Rahmen des diesjährigen Leitthemas „Command, Control and Information“ intensiv mit dem gläsernen Gefechtsfeld und die Rolle von KI und Digitalisierung“ auseinanderzusetzen.
Die sicherheitspolitische Lage – insbesondere die anhaltenden Kampfhandlungen in der Ukraine sowie die Konflikte im Nahen Osten – verleiht den behandelten Themen eine besondere Dringlichkeit. Die dort sichtbar werdende rasante technologische Entwicklung, insbesondere im Bereich Drohnenkrieg, vernetzter Gefechtsführung und künstlicher Intelligenz, beeinflusst maßgeblich die Ausrichtung moderner Streitkräfte – und damit auch die Inhalte des Wehrtechnischen Symposiums.
Hochrangige Begrüßung und klarer thematischer Fokus
Eröffnet wurde das Symposium durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Freundeskreises, Oberst Bernd Prill, der die Teilnehmenden persönlich begrüßte. Der Vorsitzende, Generalmajor Björn F. Schulz, wurde im weiteren Verlauf per Videoübertragung aus Potsdam zugeschaltet und richtete ebenfalls seine Grußworte an das Auditorium.
Bereits zu Beginn wurde deutlich: Das Gefechtsfeld der Zukunft ist transparent, digital vernetzt und hochdynamisch. Die Fähigkeit zur schnellen, informationsgestützten Führung entscheidet zunehmend über Erfolg oder Misserfolg im Einsatz.
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Der stellvertretende. Vorsitzende des Freundeskreis der Panzergrenadiertruppe e.V., Oberst Bernd Prill, begrüßte die knapp 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Plenum der Panzertruppenschule. -
Hochkarätige Vorträge begeisterten die Zuhörerinnen und Zuhörer. Dabei wechselten sich namhafte Vertreterinnen und Vertreter aus Verteidigungsindustrie und Bundeswehr ab.
Tag 1: Lagebild, Systeme und Erfahrungen aus Ausbildung und Einsatz
Der erste Veranstaltungstag stand im Zeichen fundierter Fachvorträge und aktueller Entwicklungen.
Das Amt für Heeresentwicklung sowie das Unternehmen Systematic gaben einen Einblick in den aktuellen Sachstand zum Gefechtsstandkonzept. Dabei wurde deutlich, dass moderne Gefechtsstände zunehmend als vernetzte Knotenpunkte gedacht werden müssen, die Informationen in Echtzeit verarbeiten, verfügbar machen und dabei hochmobil bleiben müssen.
Im Anschluss berichtete der Kommandeur des Gefechtsübungszentrums, Oberst Diehl, eindrucksvoll über Erfahrungen auf dem „gläsernen Gefechtsfeld“. Seine Ausführungen zeigten auf, wie sehr sich die Anforderungen an Führung und Entscheidungsfindung verändert haben. Permanente Aufklärung durch Drohnen, Sensorik und digitale Systeme sorgt für eine nie dagewesene Informationsdichte – stellt Führungskräfte jedoch gleichzeitig vor die Herausforderung, diese Informationen richtig zu priorisieren und zu nutzen. Gerade im Gefechtsübungszentrum des Heeres ist man in der Lage, die Herausforderungen des gläsernen Gefechtsfelds darzustellen, so dass die Truppe sowie die Bereiche der Weiterentwicklung im Umgang damit trainiert werden können.
Der Bereich Stab Test und Versuch widmete sich der Frage: „DLBO – wo geht die Reise hin?“ und beleuchtete zukünftige Entwicklungen der landbasierten Operationen im digitalen Umfeld. Abgerundet wurde der erste Tag durch Beiträge der Unternehmen RDE und Thales, die ihre aktuellen Entwicklungen im Bereich moderner Führungsinformationssysteme vorstellten. Diese Systeme bilden das Rückrat für eine vernetzte Operationsführung und sind entscheidend für die Umsetzung des Konzepts „Command and Control“ im Gefecht der verbundenen Kräfte.
Nach einer angeregten Aussprache klang der Tag bei einem gelungenen Kameradschaftsabend in der UHG der Panzertruppenschule aus – ein bewährtes Format, das den informellen Austausch zwischen Truppe und Industrie fördert.
Tag 2: Neue Bedrohung – neue Antworten: Drohnenkrieg und künstliche Intelligenz im militärischen Kontext
Der zweite Tag setzte die fachlich hochwertigen Vorträge fort. Das Unternehmen Rohde & Schwarz griff die Thematik DLBO erneut auf und vertiefte insbesondere Aspekte moderner Kommunikationstechnologien auf dem Gefechtsfeld. KNDS stellte aktuelle Entwicklungen im Bereich der Drohnenabwehr vor – ein Thema, das durch die Erfahrungen aus der Ukraine und dem Nahen Osten massiv an Bedeutung gewonnen hat. Der dortige Einsatz von Drohnen, loitering munitions und unbemannten Systemen zeigt deutlich, dass der Schutz gegen Bedrohungen aus der Luft mittlerweile eine Kernfähigkeit aller Truppengattungen sein muss.
Den letzten Vortrag vor dem Workshop gestaltete das Zentrum für Digitalisierung der Bundeswehr mit dem Thema: „Einsatz künstlicher Intelligenz auf dem Gefechtsfeld – wo stehen wir, wo geht die Reise hin?“ Hier wurde deutlich: KI hat das Potenzial, Entscheidungsprozesse erheblich zu beschleunigen, Lagebilder zu verdichten und Handlungsempfehlungen zu geben. Gleichzeitig bleibt jedoch klar, dass die Verantwortung beim Menschen liegen muss – ein zentraler Aspekt moderner militärischer Führung.
Ideenworkshop: Praxisnahe Ansätze für die Zukunft
Ein wesentlicher Bestandteil des Symposiums war erneut der Ideenworkshop, der die Brücke zwischen Theorie und Praxis schlug. Die Teilnehmenden aus Bundeswehr und Industrie wurden in drei Gruppen eingeteilt und bearbeiteten folgende Fragestellungen:
- Gruppe 1: Welche Rolle spielen moderne Führungsinformationssysteme für die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr heute und in Zukunft?
- Gruppe 2: Ist das gläserne Gefechtsfeld ein technologischer Vorteil – oder ein strategisches Risiko?
- Gruppe 3: Wie kann KI die Führungsfähigkeit auf allen Ebenen verbessern, ohne die Verantwortung des Menschen zu ersetzen?
Die Diskussionen waren geprägt von hoher Fachkompetenz, Offenheit und Praxisnähe. Die Ergebnisse zeigten deutlich, dass technologische Überlegenheit nur dann wirksam wird, wenn sie in Ausbildung, Führungskultur und Verfahren integriert wird. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden zusammengeführt und zur weiteren Auswertung weitergeleitet.
Aktuelle Konflikte als Taktgeber der Entwicklung
Die Inhalte des Symposiums spiegelten eindrucksvoll wider, wie stark aktuelle Konflikte die militärische Weiterentwicklung beeinflussen. Der Krieg in der Ukraine zeigt, dass:
- Informations-Überlegenheit entscheidend ist
- Drohnen und Sensorik das Gefechtsfeld dominieren
- digitale Vernetzung überlebenswichtig ist
Auch die Entwicklungen im Nahen Osten verdeutlichen die Bedeutung schneller Entscheidungszyklen, resilienter Kommunikation und moderner Technologien. Diese realen Erfahrungen fließen zunehmend direkt in Ausbildung, Ausrüstung und konzeptionelle Überlegungen ein – und waren somit auch prägend für die Diskussionen des Symposiums 2026.
Erfolgreiches Format mit Zukunft – Gemeinsam bereit für die Herausforderungen von morgen
Das Wehrtechnische Symposium 2026 wurde von allen Beteiligten erneut als äußerst gewinnbringend und zukunftsweisend bewertet. Besonders hervorgehoben wurde die enge und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Industrie. Der Veranstaltungsort, die Panzertruppenschule in Munster, erwies sich einmal mehr als idealer Rahmen für Austausch, Innovation und Vernetzung.
Einigkeit bestand darüber, dass dieses Format auch künftig fortgeführt werden sollte – denn gerade in Zeiten rasanter technologischer Entwicklungen ist der kontinuierliche Dialog zwischen Anwendern und Entwicklern von entscheidender Bedeutung. Der Freundeskreis der Panzergrenadiertruppe e.V. bleibt damit ein zentraler Impulsgeber für die Weiterentwicklung der Truppe – ganz im Sinne von: voneinander lernen und gemeinsam gestalten.
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Das Unternehmen KNDS stellte aktuelle Möglichkeiten zur Drohnenabwehr vor. Für die Panzergrenadiertruppe im speziellen für effektives Upgrade des Schützenpanzer Puma, wurden Lösungen präsentiert. -
Oberst Prill bedankte sich im Namen des Freundeskreises bei den Vortragenden. Überreicht wurde das aktuelle Buch von Oberst a.D. Schneider über den Schützenpanzer Puma.
Von: Stephan Korts